Gewässerunterhaltung

Während im Bereich des Truppenübungsplatzes Bergen auf vielen Kilometern der Meiße eine beobachtende Unterhaltung durchgeführt wird und lediglich punktuell Abflusshindernisse oder Krautstaue entnommen werden, ist an einigen gefällearmen Gewässerstrecken im Allerflachland bereits im Sommer eine Mahd bzw. Krautung notwendig, um den Zustand für den ordnungsgemäßen Wasserabfluss aufrecht zu erhalten. Dies gilt beispielsweise für viele Abschnitte des Bruchgraben oder der Unteren Drebber, welche bei geringem Sohlgefälle gleichzeitig zu starker Verkrautung neigen. Diese Verkrautung beeinträchtigt aufgrund fehlender Beschattung und hohem Nährstoffaufkommen im Gewässer die hydraulische Leistungsfähigkeit bereits im Sommer abschnittsweise so stark, dass es schon bei normaler Niederschlagsverteilung während der Vegetationsperiode zu Rückstau im Gewässer und einer Vernässung der anliegenden Flächen kommen kann.

Insgesamt zeigt dies die Vielfältigkeit aber auch Ansprüche des Gewässersystems Meiße auf. Eine schonende und bedarfsgerechte Gewässerunterhaltung kann neben der Abflusssicherstellung die negativen Folgen für Flora und Fauna minimieren und die Strukturvielfalt im Gewässer erhöhen.

 

Böschungsmahd/Sohlkrautung

Als Mahd wird bei der Gewässerunterhaltung das Mähen der Vegetation außerhalb der Wassersäule bezeichnet. Mit der Böschungsmahd werden die Böschungsbereiche bis zur Böschungsoberkante, teilweise auch darüber hinaus, gemäht, um das Abflussprofil zu vergrößern und so einen hydraulischen Puffer bei erhöhten Abflussmengen zu bekommen. Als Technik werden Mähkorb, Balkenmäher oder Mulcher am Bagger bzw. Schlepper eingesetzt, wobei der Mulcher aus ökologischer Sicht möglichst wenig zum Einsatz kommen sollte.

Insgesamt besteht für den Unterhaltungspflichtigen die Herausforderungen, diese Techniken und Unterhaltungsarten den jeweiligen Anforderungen an den Gewässerabschnitten anzupassen. Die Wasserpflanzen reagieren unterschiedlich auf die Mahd bzw. Krautung, haben unterschiedliche Stauwirkungen, Strömungs- und Lichtansprüche. Ein zeitliches wie räumliches Belassen von Vegetation kann an vielen Stellen ökologisch wie technisch sinnvoll sein. So können Pflanzen in der Wasserwechselzone den sensiblen Böschungsfuß schützen und durch Einengung und Erhöhung der Fließgeschwindigkeit gleichzeitig eine Strömungsrinne bilden, in der das Profil automatisch freigehalten und Sedimente weiter transportiert werden. 

Die Krautung hingegen beschreibt die Mahd unterhalb des Wasserspiegels. Hier kommt überwiegend der Bagger mit Mähkorb zum Einsatz, der die Pflanzen über der Sohle abtrennt, das Mähgut mittels Fangkorb aus dem Gewässer befördert und außerhalb des Gewässerprofils ablegt. Dies ist wichtig, um zusätzliche Nährstoffeinträge in das Gewässer zu verhindern. Neben dem Bagger mit Mähkorb wird auch das Mähboot (Boot mit angebautem Balkenmäher) und an maschinell schwer erreichbaren Abschnitten die Handsense eingesetzt.

Viele ausgebaute Gewässer sind meist als Trapezprofil mit einem ausreichend hydraulischen Puffer bemessen worden, in dem eine Reduzierung der Unterhaltungsintensität und ein Belassen von Vegetation möglich ist. 

Dort, wo die Flächennutzung den Gewässerkorridor begrenzt und eine Beschattung durch Gehölze nicht möglich ist, ist in der Regel eine Krautung des Gewässers notwendig. Die so genannte Stromstrichkrautung ist eine Möglichkeit, im vorhandenen Gewässerprofil die Strukturvielfalt zu erhöhen, die sensiblen Böschungsfüße zu sichern und gleichzeitig die Abflussleistung weitgehend beizubehalten. Durch gezielte Krautung wird eine Stromrinne in tiefster Gewässerlinie eingerichtet (z.B. 1/3 der Gewässerbreite). Durch die höhere Fließgeschwindigkeit in der Stromrinne hält sich diese von selbst frei, während im Randbereich Sediment und Pflanzenwuchs den Böschungsfuß schützen. Zudem bildet sich ein Niedrig-Mittelwasserprofil aus, so dass auch bei sommerlichen Niedrigwasserabflüssen die Sedimente weiter transportiert werden. Ökologisch stellen sich turbulente Abflussverhältnisse mit unterschiedlichen Sohlstrukturen ein, zudem das Belassen des Bewuches in der Wasserwechselzone für viele Arten wie z.B. Libellen von besonderer Bedeutung.

Dies ist jedoch so nicht an jedem Gewässer ohne Weiteres möglich. Die jeweilige Abwägung und Beurteilung der Unterhaltungsart und -intenstät liegt in der Verantwortung des Verbandes und bedarf ein hohes Maß an wasserwirtschaftlicher wie naturschutzfahchlicher Erfahrungen. 

Hier ein paar Beispiele zur Krautung in Meiße und Hohe Bach:

Anpflanzung und Pflege von Gehölzen

Gewässerbegleitende Gehölze sind ein wichtiger Bestandteil im Fließgewässersystem und haben vielfältige Funktionen. Neben der ökologischen Bedeutung können Gehölze auch im Rahmen der Unterhaltung eine wichtige Rolle einnehmen. Insbesondere ist hier die für die Gewässer der Südheide typische Schwarzerle (Alnus glutinosa) zu nennen. Erlen sind Pionierpflanzen und gehören daneben zu den wenigen Arten, die tief unter dem Wasserspiegel wurzeln können. Ihre Wurzeln bilden sie auch horizontal entlang der Wasserlinie aus und verklammern und stabilisieren so das Ufer. Im Wasser hängende Wurzelfahnen bieten Verstecke und Unterstände für eine Vielzahl von Bachbewohnern. Das Laub der Erle dient vielen Arten wie dem Bachflohkrebs als Nahrung, der die Blätter in kurzer Zeit zersetzt und wiederum selbst als Nahrung für Fische und andere Tiere dient. Daneben sorgt die Erle für eine Beschattung des Gewässers, so dass Krautwuchs reduziert und dadurch der Räumaufwand verringert wird.

Erfahrungswerte zeigen, das die Selbstausbreitung oder Umpflanzung von ortsnahem Wildaufwuchs gegenüber einer Pflanzung mit Material aus Baumschulen zu bevorzugen ist, da diese robuster und weniger anfällig für Krankheiten und Pilze wie dem Phytophthora sind, der für das so genannte "Erlensterben" verantwortlich ist.

Laut dem Nds. Wassergesetz bzw. den Unterhaltungsverordnungen der Landkreise haben die hiesigen Unterhaltungsverbände das Recht , die Ufer der zu unterhaltenden Gewässer mit standortgerechten Gehölzen zu bepflanzen. Dies wird jedoch nur in Abstimmung und Zusammenspiel mit den Anliegern durchgeführt. Sollten Sie Anlieger oder Eigentümer einer Fläche an den Fließgewässern in unserem Zuständigkeistbereich sein, sprechen Sie uns gern an.

Betrieb und Unterhaltung von Anlagen

Neben den Unterhaltungs- und Pflegearbeiten an den Gewässern und seiner Ufer ist der UV Meiße auch für die Unterhaltung und den Betrieb der Anlagen zuständig, die der Abführung des Wassers dienen.

Dies betrifft beim UV Meiße die Betreuung der Abschlagsbauwerke am Esseler Kanal am Meiße- und Bruchgraben-Düker, an denen bei erhöhten Abflüssen Wasser in den Kanal abgeschlagen wird. Daneben sind die Wehranlagen am Feldgraben, an dem ebenfalls der Zulauf in diesen und der Abschlag in Richtung Meiße geregelt und über Schütze eingestellt wird, in unserer Zuständigkeit. Die Anlagen werden vom Wehrwärter regelmäßig gewartet und können dank langjähriger Erfahrungswerte an die jeweiligen Niederschlags- und Abflussereignisse angepasst werden.

Die größte technische Anlage, die der Unterhaltungsverband Meiße betreibt, ist das Schöpfwerk in Hodenhagen. Schöpfwerke heben bzw. pumpen das auflaufende Wasser über ein bestimmtes Niveau, wo ein natürliches Gefälle nicht mehr gegeben ist. Dies betrifft in Niedersachsen vor allem die Marschen und Niederungen im Bereich der Nordsee, wo z. B. der Meeresspiegel höher liegt als das Hinterland, und die künstlich geschaffenen Gräben und Gewässer kein Gefälle aufweisen. Hier muss das anfallende Wasser aus dem Binnenland mittels Schöpfwerke angesaugt und in die höher liegende Wassersäule gepumpt werden. Aber auch weiter im Binnenland sind Schöpfwerke nötig, beispielsweise im Niederungsbereich von Flüssen, wo ein natürliches Ausufern aufgrund der Flächennutzungen und Besiedlung nicht mehr möglch ist und gleichzeitig die Entwässerung dieser Flächen auch im Hochwasserfall weiter gewährleistet werden muss. Dies ist in Hodenhagen beispielsweise der Fall.

Funktion des Schöpfwerkes Hodenhagen:

In Hodenhagen trifft dies auf das Schöpfwerk an der Meiße zu. Bei normalen Abflüssen der Aller und Meiße kann der Feldgraben, welcher im Bereich Hodenhagen als Hudemühlener Meiße bezeichnet wird, das anfallende Wasser der Flächen des Eickeloher Bruchs und Hodenhagens in die Meiße entwässern. Das Wasser fließt aus eigener Kraft durch eine Öffnung im Schöpfwerksgebäude hindurch, die so geannte Freiflut. Im Hochwasserfall steigt jedoch der Wasserspiegel der Aller stark an und staut so auch die Meiße ein. Aus diesem Grund ist diese bis oberhalb des Serengeti Parks mit so genannten Schardeichen beidseitig eingefasst. Die Meiße wiederum drückt dann das Wasser in die Hudemühlener Meiße zurück, wo sich die Fließrichtung nun ändert und das Wasser rückwärtig verläuft bzw. anstaut. Würde das Schöpfwerk nun nicht anspringen, wird das Wasser weiter in die tiefer liegenden Flächen gedrückt, die Senken würden von östlicher Seite "volllaufen" und große Teile der Gemeinde Hodenhagen würden überschwemmt.

Ab einem gewissen Wasserstand wird jedoch die Freiflut des Schöpfwerkes mittels eines Schützes (eine Art Schieber) geschlossen und der rückwärtige Zulauf in die Hudemühlener Meiße unterbrochen. Damit nun das anfallende Wasser aus der Fläche nicht ebenfalls eine Überflutung herbeiführt, wird es mittels Pumpen in die jetzt höher liegende Meiße gepumpt. Insgesamt besitzt das Schöpfwerk drei Pumpen, die jeweils bis zu 750 l/s an Wasser fördern können. Das Bauwerk dient somit dem Hochwasserschutz der tiefliegenden Siedlungsbereiche wie auch der gewerblich und landwirtschaftlch genutzten Flächen der Gemeinde Hodenhagen.  

Betreut wird das Schöpfwerk Hodenhagen vor Ort von den Schöpfwerkswärtern, welche die Anlage kontrollieren, warten und im Hochwasserfall betreuen. Hierzu gehört auch die regelmäßige Reinigung der Rechen im Oberwasser des Schöpfwerkes, welche die Pumpen vor antreibenden Pflanzenteilen und Gehölzen schützen und händisch freigehalten werden müssen. 

Bauliche Daten zum Schöpfwerk Hodenhagen:

  • 1964:           Neubau des Schöpfwerkes mit 3 Pumpen und einer Förderleistung von jeweils bis 750 l/s
  • 2015-2017:  Erneuerung der Druckrohre an den Pumpen 1-3
  • 2018:           Erneuerung der ELT-Technik (Austausch der Elektrik, Ersatz der Schwimmer durch Drucksonden, Automatisierung der Freiflut- und Pumpensteuerung, Einrichtung von Fernwirktechnik)
  • 2018:           Austausch der Rechen und Notverschlüsse, Herstellung einer Arbeitsplattform am Oberwasser