Projekte

Der UV Meiße engagiert sich bereits seit vielen Jahren bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie und ist bestrebt, die Gewässer ökologisch durchgängig zu gestalten und strukturell aufzuwerten. Neben dem umfangreichen Einbau von natürlichem Hartsubstrat und dem Pflanzen von Gehölzen wie Erlen und Eschen am Gewässerufer wurden auch umfangreiche Baumaßnahmen durchgeführt. Im Rahmen des niedersächsischen Gewässerwettbewerbs "Bach im Fluss" wurde der Verband hierfür mehrfach prämiert. Im Folgenden werden einige der Projekte kurz vorgestellt.

2011 - Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Meiße an der Teichanlage Hoppenstedt

Projektdauer:

Okt. 2011 - Nov. 2011 (bauliche Umsetzung)

Länge der Maßnahme:

800 m

Projektkosten:

ca. 195.000,-  €

Finanzierung:

90 % FGE-RL, 10 % Eigenanteil

Das Hauptziel des Projektes an der Meiße war die Wiederherstellung der Durchgängigkeit an der Teichanlage Hoppenstedt. Die im Hauptschluss des Bachlaufes angestaute Teichanlage stellte bisher für auf- und abwandernde Fischarten eine maßgebliche Barriere dar. Insbesondere eine Stahlbetonwehranlage mit einer Gesamtfallhöhe von mehr als 2 Metern und anschließender 30 Meter langer Verrohrung unter einem, den Talraum querenden Bahndamm haben die aquatische Passierbarkeit des Gewässers unterbunden. Zusätzlich beeinträchtigte der auf über 700 Meter Länge eingestaute Bachlauf die Durchgängigkeit und die Strukturgüte in dem Meißeabschnitt.

Um die Durchgängigkeit möglichst hochwertig und vollständig wiederherzustellen, wurde eine vorher verfolgte Umflutvariante verworfen. Der Aufstau der Meiße konnte nun durch vollständigen Abriss der Wehranlage und der Verrohrung sowie Abtrag des Bahndammes aufgelöst werden. Hierbei gelang es, den bisherigen Rückstaubereich als eigenes Fließgewässerhabitat zurückzugewinnen und den Talraum zu öffnen,

Bereits beim Ablassen der Teichanlage wurde das alte, mäandrierende Bachbett in taltiefster Linie sichtbar. Mit Hilfe zahlreicher kosteneffizienter und wirkungsvoller Strukturmaßnahmen wie Kies- oder Totholzeinbau auf einer Länge von rund 800 Metern gelang eine umfangreiche Aufwertung und günstige Ausgangssituation für eine eigendynamische Entwicklung des Gewässers. Die Aue wurde teils durch Bodenabtrag reaktiviert und wieder mit dem Gewässer verbunden. Abflusssichernde Maßnahmen der Gewässerunterhaltung werden in diesem Abschnitt zukünftig gegen Null gehen.

Das Projekt weist einen hohen Wirkungsgrad hinsichtlich der Gewässerentwicklung und eine besondere Bedeutung als ökologisch wertvolle Schlüsselmaßnahme für die Entwicklung der Oberläufe der Meiße auf.

Im Vergleich zu anderen Südheidebächen verfügt das Meißesystem über einen vergleichsweise guten Nordseeanschlusses über Aller und Weser und ist damit potenzielles Laichhabitat für anadrome Wanderfischarten wie beispielsweise Lachs und Meerforelle.

Der Unterhaltungsverband Meiße arbeitete eng mit den verbandlichen Mitgliedern, insbesondere den militärischen bzw. Bundes-Institutionen als Eigentümer bzw. Nutzer, , sowie den zuständigen Behörden zusammen, was die äußerst zeitnahe Umsetzung innerhalb von 18 Monaten überhaupt ermöglichte. Das Vorhaben wurde im Rahmen der Gebietskooperation und des Gewässertages 2011 im Bearbeitungsgebiet 17 der fachlichen Öffentlichkeit vorgestellt.

2014 - Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Meiße und des Berger Baches im Truppenlager Bergen

Projektdauer

Beginn: 2014 – Ende: 2014 (Bauzeit)

Länge der Maßnahme

ca. 1.800 m

Projektkosten

250.000  €

Finanzierung

Finanzierung zu 90 % über Fließgewässerprogramm

Im britischen Truppenlager Bergen wurde, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, die „hohe Schule der Staulegung“ praktiziert. Durch das sukzessive Ablassen des 1 ha großen Lagerteiches und den Rückbau eines Wehres mit einer Absturzhöhe von rd. 2m wurde in taltiefster Linie die vollständige ökologische Durchgängigkeit mit naturnahen Bachstrukturen wiederhergestellt und durch die schrittweise behutsame Absenkung das vorhandene Sediment weitgehend immobilisiert.

Durch diesen fachlich anspruchsvollen Rückbau wurden 600 m Rückstaubereich aufgehoben und der wichtige Nordseeanschluss des Meißeoberlaufes um 9 km erweitert. Auffallend ist auch die ganzheitliche Betrachtung des Gewässerlaufes, so wurde auch die Unterwassersituation mit in die Maßnahme einbezogen und das breiten- und tiefenerodierte Gewässer durch stimmige Maßnahmen ökologisch aufgewertet.

Zwei weitere Wehre in begradigten Abschnitten der Meiße und des Berger Baches wurden in der Örtlichkeit belassen und verfüllt. Neu angelegte, geschwungene Gerinne führen beide Gewässer fortan um die alten Wehrstandorte herum. Die Prallhänge der beiden neuen Gerinne werden temporär mit Reisig-faschinen gesichert. Zur Erhöhung der Strukturvielfalt und zur fließgewässerökologischen Aufwertung wurde daneben auch punktuell Kies in den Zwischenstrecken eingebaut. Insgesamt wurde eine Kiesmenge von rd. 3.300 t überwiegend in Kolk-Rausche-Sequenzen mit Breiten- und Tiefenvarianzen eingebaut.

Wiederherstellung der Durchgängigkeit des Liethbaches

Projektdauer

August 2014 - Dezember 2014

Länge der Maßnahme

2.700 m

Projektkosten

500.000 €

Finanzierung

90 % FGE, 10% Eigenanteil

Das Gewässersystem Meiße, zu dem der Liethbach gehört, verfügt über ein erhebliches Potenzial für diadrome Fischarten, da auf der Fließstrecke bis zur Nordsee nur eine vergleichsweise geringe Anzahl von Wehren in der Weser (HB-Hemelingen u. Langwedel) vorhanden ist. Hinzu kommt, dass der Liethbach auf dem Gelände des NATO-Truppenübungsplatzes Bergen verläuft und das Gewässerumfeld meist keiner intensiven Nutzung unterliegt. Jedoch wurde auch der Liethbach - wie viele der Heidebäche - bis in das 20. Jh. begradigt ausgebaut und die ökologische Durchgängigkeit von drei Sohlbauwerken unterbrochen; durch zwei Wehre einer talraumfüllenden Teichanlage am Schloss Bredebeck sowie rd. 2 km unterhalb durch die Wehranlage an der Panzerwaschanlage des Truppenübungsplatzes Bergen.

Insgesamt befanden sich am Schloss Bredebeck 12 zusammenhängende Teiche auf einer Länge von 750 m im Talraum des Liethbaches, wovon einige im Hauptschluss durchflossen wurden. Am oberen dieser Teiche war zudem ein Überlaufwehr mit einer Absturzhöhe von rd. 2 m eingerichtet, welches jegliche Wandermöglichkeit für die aquatischen Bewohner verhinderte. Die komplette Teichanlage wurde oberstrom beginnend umgestaltet, die Teichdämme zur Auenrevitalisierung zurückgebaut und ein gewundenes Bachbett wieder in die taltiefste Linie verlegt. Oberhalb der Schlossbrücke wurden 9 von 10 Teichen zurückgebaut. Lediglich Teich 1 sollte im Nebenschluss mit einer Restfläche von rd. 5.000 m² als Biotopteich erhalten bleiben und zur Hälfte eine frostfreie Tiefe aufweisen. Über ein kleines, bereits vorhandenes Gerinne wird die Wasserversorgung weiterhin gewährleistet und Versickerungs- und Verdunstungsverluste ausgeglichen. In Gewässerabschnitten mit neuem Abflussprofil wurden Reisigfaschinen in den Außenkurven installiert, damit sich die zum Teil weichen ehemaligen Teichsohlen verfestigen und verwurzeln können. Neben einer ehemaligen Anglerhütte wurden auch die Sohlbauwerke vollständig zurückgebaut. Nach der Herstellung des neuen Verlaufs des Liethbaches wurde zur Stabilisierung der Sohle standorttypischer Kies in Form von Kolk-Rausche-Sequenzen eingebaut. Insgesamt wurde der Liethbach auf einer Länge von 1,5 km restauriert und strukturell aufgewertet. Durch den Rückbau der Teichanlage und das Schleifen der Dämme konnte die Aue auf einer Gesamtfläche von rd. 4 ha revitalisiert werden.

Im Bereich der Panzerwäsche verhinderte ein zweifeldriges Dammbalkenwehr mit einer Absturzhöhe von rd. 0,8 m die Durchgängigkeit. Die Sohle des Liethbaches stellte sich überwiegend monoton sandig dar. Um die ökologische Durchgängigkeit wiederherzustellen und den Liethbach auf gesamter Länge aquatisch passierbar zu machen, wurde auch die Wehranlage an der Panzerwäsche abgebrochen, die zugehörigen Spundwände gezogen und eine flache Sohlgleite unterhalb des Pumpenhauses eingerichtet. Um den vitalen Bestand an ausgewachsenen Schwarzerlen im Unterwasser nicht übermäßig einzustauen und somit zu schädigen, wurde der Wasserstand im Unterwasser nur um 0,3 m angehoben. Zur Erhöhung der Strukturvielfalt und Aufwertung der überwiegend monoton sandigen Sohlstrukturen wurde ober- und unterhalb der Wehranlage auf rd. 500 m insgesamt 1.300 t standorttypischer Heidekies eingebracht.

Verbesserung der Durchgängigkeit der Meiße an drei vorhandenen Sohlbauwerken

Projektdauer

2016

Länge der Maßnahme

ca. 3.000 m

Projektkosten

90.000  €

Finanzierung

Finanzierung zu 90 % über Fließgewässerprogramm

Die Meiße liegt als Gewässer 2. Ordnung in der Unterhaltungspflicht des UV Meiße. Im Leitfaden Maßnahmenplanung ist der Meiße-Unterlauf (Wasserkörper 17050) in der Priorität 4 eingestuft. Der Bewirtschaftungsplan Weser (2015) weist diesen Wasserkörper als HMWB-Gewässer aus, das vorhandene ökologische Potenzial wird als mäßig eingestuft.

Die Maßnahme ist Teil eines Gesamtkonzeptes, um die ökologische Durchgängigkeit im Meiße-System, insbesondere auch für diadrome Fischarten, zu verbessern und die Erreichbarkeit der Laichhabitate in den Oberläufen wiederherzustellen. Sie schließt sich einer Reihe von bereits durchgeführten Maßnahmen in der Meiße und ihren Nebengewässern an.

Aufgrund der Rahmenbedingungen und besonderen Dringlichkeit (Erteilung der Plangenehmigung erst in der 44. KW 2016, Beginn des Durchführungsverbotes ab dem 15.11.2016 aufgrund des Seeadlers sowie weitere Einschränkungen durch Schießzeiten der Schießbahnen 100-105 und Jagdzeiten der Bundesforst) wurde die bauliche Umsetzung bereits Anfang der 44. KW begonnen und in der 45. KW fertiggestellt.

Es wurden folgende Arbeiten ausgeführt:

-      Rückbau von drei Spundwandabstürzen und Ersatz durch kiesige Sohlgleiten

-      Transport, Umschlag, Einbau und Profilierung von autochthonem Kies (rd. 1.000 to)

Durch die Gesamtmaßnahme wurde folgende Wirkung erzielt:

-      Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit der Meiße auf mehreren Kilometern Länge.

-      Morphologische Aufwertung des überdimensionierten und ausgebauten Verlaufes der Meiße im Bereich der ehemaligen Spundwandabstürze (Verbesserung der Strukturgüte, Schaffung von Laichhabitaten etc.).