Wiederherstellung der Durchgängigkeit des Liethbaches
Projektdauer | August 2014 - Dezember 2014 |
Länge der Maßnahme | 2.700 m |
Projektkosten | 500.000 € |
Finanzierung | 90 % FGE, 10% Eigenanteil |
Das Gewässersystem Meiße, zu dem der Liethbach gehört, verfügt über ein erhebliches Potenzial für diadrome Fischarten, da auf der Fließstrecke bis zur Nordsee nur eine vergleichsweise geringe Anzahl von Wehren in der Weser (HB-Hemelingen u. Langwedel) vorhanden ist. Hinzu kommt, dass der Liethbach auf dem Gelände des NATO-Truppenübungsplatzes Bergen verläuft und das Gewässerumfeld meist keiner intensiven Nutzung unterliegt. Jedoch wurde auch der Liethbach - wie viele der Heidebäche - bis in das 20. Jh. begradigt ausgebaut und die ökologische Durchgängigkeit von drei Sohlbauwerken unterbrochen; durch zwei Wehre einer talraumfüllenden Teichanlage am Schloss Bredebeck sowie rd. 2 km unterhalb durch die Wehranlage an der Panzerwaschanlage des Truppenübungsplatzes Bergen.
Insgesamt befanden sich am Schloss Bredebeck 12 zusammenhängende Teiche auf einer Länge von 750 m im Talraum des Liethbaches, wovon einige im Hauptschluss durchflossen wurden. Am oberen dieser Teiche war zudem ein Überlaufwehr mit einer Absturzhöhe von rd. 2 m eingerichtet, welches jegliche Wandermöglichkeit für die aquatischen Bewohner verhinderte. Die komplette Teichanlage wurde oberstrom beginnend umgestaltet, die Teichdämme zur Auenrevitalisierung zurückgebaut und ein gewundenes Bachbett wieder in die taltiefste Linie verlegt. Oberhalb der Schlossbrücke wurden 9 von 10 Teichen zurückgebaut. Lediglich Teich 1 sollte im Nebenschluss mit einer Restfläche von rd. 5.000 m² als Biotopteich erhalten bleiben und zur Hälfte eine frostfreie Tiefe aufweisen. Über ein kleines, bereits vorhandenes Gerinne wird die Wasserversorgung weiterhin gewährleistet und Versickerungs- und Verdunstungsverluste ausgeglichen. In Gewässerabschnitten mit neuem Abflussprofil wurden Reisigfaschinen in den Außenkurven installiert, damit sich die zum Teil weichen ehemaligen Teichsohlen verfestigen und verwurzeln können. Neben einer ehemaligen Anglerhütte wurden auch die Sohlbauwerke vollständig zurückgebaut. Nach der Herstellung des neuen Verlaufs des Liethbaches wurde zur Stabilisierung der Sohle standorttypischer Kies in Form von Kolk-Rausche-Sequenzen eingebaut. Insgesamt wurde der Liethbach auf einer Länge von 1,5 km restauriert und strukturell aufgewertet. Durch den Rückbau der Teichanlage und das Schleifen der Dämme konnte die Aue auf einer Gesamtfläche von rd. 4 ha revitalisiert werden.
Im Bereich der Panzerwäsche verhinderte ein zweifeldriges Dammbalkenwehr mit einer Absturzhöhe von rd. 0,8 m die Durchgängigkeit. Die Sohle des Liethbaches stellte sich überwiegend monoton sandig dar. Um die ökologische Durchgängigkeit wiederherzustellen und den Liethbach auf gesamter Länge aquatisch passierbar zu machen, wurde auch die Wehranlage an der Panzerwäsche abgebrochen, die zugehörigen Spundwände gezogen und eine flache Sohlgleite unterhalb des Pumpenhauses eingerichtet. Um den vitalen Bestand an ausgewachsenen Schwarzerlen im Unterwasser nicht übermäßig einzustauen und somit zu schädigen, wurde der Wasserstand im Unterwasser nur um 0,3 m angehoben. Zur Erhöhung der Strukturvielfalt und Aufwertung der überwiegend monoton sandigen Sohlstrukturen wurde ober- und unterhalb der Wehranlage auf rd. 500 m insgesamt 1.300 t standorttypischer Heidekies eingebracht.